Stand: 25. Juli 2026.
Studien zur Lage der Zulieferer werden im Einkauf meist als Hintergrundrauschen gelesen. Man kennt die Richtung, nickt und geht zur nächsten Preisrunde über. Die Oliver-Wyman-Studie 2026 verdient mehr als das, weil sie eine Frage aufwirft, die den eigenen Job betrifft: In einer Branche mit dieser Kostenlage, welche Rolle spielt der Einkauf eigentlich noch, wenn Preisdruck allein nicht mehr weiterführt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Oliver-Wyman-Automobilzuliefererstudie 2026 heißt Zwischen Schock und Gestaltungsspielraum, und beide Wörter sind ernst gemeint.
- Die EBIT-Margen deutscher Zulieferer lagen 2025 verbreitet unter fünf Prozent, der Produktion gehen bis 2027 rund vier Millionen Fahrzeuge verloren, 2025 gab es 59 Insolvenzen.
- Für den Einkauf ist die eigentliche Botschaft nicht die Krise selbst, sondern die Wahl, die er in ihr hat: Preisdrücker oder Gestalter.
Die Zahlen, kurz und belegt
Die Studie beschreibt die Lage nüchtern. Die EBIT-Margen deutscher Zulieferer lagen 2025 verbreitet unter fünf Prozent und damit unter der Schwelle, die nötig wäre, um typische Investitionen selbst zu tragen. Der deutschen Produktion gehen zwischen 2025 und 2027 gegenüber den Erwartungen von 2020 etwa vier Millionen Fahrzeuge verloren, die größten Nutznießer sind China und Indien. 2025 haben 59 Zulieferer mit einem Umsatz über 10 Millionen Euro Insolvenz angemeldet, zwischen 2020 und 2025 waren es 257. Der globale Index für handelspolitische Unsicherheit erreichte im April 2025 ein Allzeithoch, und die Studie sieht für 2026 wenige Anzeichen einer Verbesserung.
Warum der reflexhafte Preishebel jetzt nach hinten losgeht
Der erste Reflex vieler Einkaufsabteilungen in einer solchen Lage ist verständlich und gefährlich zugleich: Der Lieferant ist schwach, also lässt sich der Preis drücken. Kurzfristig geht die Rechnung auf. Mittelfristig drücken Sie einen Partner, dessen Marge ohnehin unter fünf Prozent liegt, näher an die Insolvenzgrenze. Der Fall Weber Magdeburg zeigt, wie schnell aus einem gedrückten Lieferanten ein ausgefallener wird. Wer die Schwäche der Gegenseite maximal ausnutzt, kauft sich das nächste Versorgungsrisiko selbst ein.
Der blinde Fleck erfahrener Einkäufer
Erfahrene Einkäufer sehen die Krise klar. Der blinde Fleck ist ein anderer: Sie deuten die Schwäche des Lieferanten als reine Verhandlungsgelegenheit, nicht als strategische Weggabelung. Beides ist möglich. Man kann die Marge des Lieferanten weiter abschmelzen, oder man kann die Abhängigkeit gestalten, die in einer schrumpfenden Lieferantenlandschaft ohnehin zunimmt. Der Titel der Studie bringt genau diese Wahl auf den Punkt. Schock ist die Lage, Gestaltungsspielraum ist die Entscheidung.
Gestalten heißt nicht, nachgiebig zu werden. Es heißt, den Hebel zu wechseln. Statt den letzten Prozentpunkt aus einem gefährdeten Lieferanten zu holen, verhandeln Sie über Laufzeit, Volumenbündelung, Planungssicherheit und Konditionen, die beiden Seiten Stabilität geben. Das ist anspruchsvoller als eine Preisrunde, und es ist der einzige Hebel, der 2026 nicht das eigene Versorgungsrisiko erhöht.
Was das für Ihre nächste Verhandlung heißt
Drei Konsequenzen für die Praxis. Erstens: Trennen Sie strategische von austauschbaren Lieferanten. Wo Sie eine echte Alternative haben, dürfen Sie den Preis hart verhandeln. Wo nicht, ist Stabilität wertvoller als der letzte Rabatt. Zweitens: Verhandeln Sie mehrdimensional. Laufzeit, Menge, Zahlungsziele und Planungsdaten sind Währungen, mit denen Sie beiden Seiten helfen, ohne nur am Preis zu ziehen. Drittens: Denken Sie in der Lieferkette, nicht im einzelnen Abschluss. Der günstigste Vertrag ist wertlos, wenn der Lieferant ihn nicht überlebt.
Häufige Fragen
Was ist das zentrale Ergebnis der Oliver-Wyman-Zuliefererstudie 2026?
Die Studie mit dem Titel Zwischen Schock und Gestaltungsspielraum beschreibt eine tiefe Krise der deutschen Zulieferer, sieht darin aber zugleich Gestaltungsspielraum. Die EBIT-Margen lagen 2025 verbreitet unter fünf Prozent, der Produktion gehen bis 2027 rund vier Millionen Fahrzeuge verloren.
Wie hoch sind die Margen deutscher Autozulieferer?
Laut Studie lagen die EBIT-Margen deutscher Zulieferer 2025 verbreitet unter fünf Prozent und damit unter der Schwelle, die nötig wäre, um übliche Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren.
Was bedeutet die Studie für den Einkauf?
Sie zeigt, dass reines Preisdrücken bei Lieferanten mit Margen unter fünf Prozent das eigene Versorgungsrisiko erhöht. Sinnvoller ist es, strategische Lieferanten zu identifizieren und mehrdimensional über Laufzeit, Menge und Planungssicherheit zu verhandeln statt allein über den Preis.
Wie viele Fahrzeuge verliert die deutsche Produktion?
Zwischen 2025 und 2027 gehen der deutschen Produktion gegenüber den Prognosen von 2020 rund vier Millionen Fahrzeuge verloren, vor allem an China und Indien.
Quelle: Oliver Wyman, Automobilzuliefererstudie 2026, Zwischen Schock und Gestaltungsspielraum, März 2026.
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