Stand: 25. Juli 2026.

Im Einkauf wird der Erfolg oft am gesparten Prozent gemessen. Das ist verständlich, denn der Preis steht in der Tabelle, er lässt sich vergleichen und am Jahresende ausweisen. Nur beschreibt er in einem Umfeld wie 2026 einen immer kleineren Teil des tatsächlichen Risikos.

Die Zahlen sind deutlich. 2025 haben in Deutschland 59 Zulieferer mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro Insolvenz angemeldet, ein Jahr zuvor waren es 56. Zwischen 2020 und 2025 summieren sich die Fälle auf 257. Für 2026 rechnen Branchenbeobachter nicht mit einer Beruhigung, sondern mit einer Verschärfung der Lage, weil die Kombination aus schwacher Nachfrage, hohen Kosten und dem Umbau zur Elektromobilität die dünne Kapitaldecke vieler Zulieferer weiter belastet.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2025 haben in Deutschland 59 größere Zulieferer (Umsatz über 10 Millionen Euro) Insolvenz angemeldet, nach 56 im Jahr davor. Für 2026 wird eine Verschärfung erwartet.
  • Ein aktueller Fall zeigt die Mechanik: Weber Magdeburg steht vor dem Insolvenzverfahren, weil Hauptkunde Porsche seine Aufträge zurückzieht, rund 140 Arbeitsplätze am Standort sind betroffen.
  • Für den Einkauf verschiebt sich die eigentliche Frage: nicht mehr nur, wie günstig Sie einkaufen, sondern ob Ihr Lieferant den Vertrag überhaupt bis zum Ende erfüllt.

Der Fall Weber Magdeburg

Wie schnell aus einem stabilen Lieferverhältnis ein Ausfall wird, zeigt der Fall Weber Magdeburg. Der Hauptkunde Porsche zieht seine Aufträge bis zum 30. September 2026 zurück, zum 1. Oktober 2026 ist das Insolvenzverfahren angesetzt. Am Standort Magdeburg sind rund 140 Arbeitsplätze betroffen, weitere Stellen an anderen Standorten sind gefährdet. Der Punkt für den Einkauf ist nicht das Schicksal eines einzelnen Betriebs, sondern das Muster dahinter. Ein Zulieferer, der stark von einem Kunden abhängt, kann innerhalb weniger Monate vom laufenden Partner zum Insolvenzfall werden.

Der blinde Fleck erfahrener Einkäufer

Erfahrene Einkäufer wissen all das. Sie kennen die Nachrichtenlage, und viele haben in den vergangenen zwei Jahren selbst einen Lieferantenausfall erlebt. Der blinde Fleck liegt nicht im Wissen, sondern in der Gewohnheit der Verhandlung. In der konkreten Preisrunde zählt am Ende doch wieder der letzte Prozentpunkt, weil er sich messen lässt. Die Frage, wie es um die finanzielle Stabilität des Lieferanten steht, wirkt daneben weich und schlecht greifbar, also fällt sie hinten runter.

Genau hier kippt das Verhältnis von Aufwand und Risiko. Ein hart verhandelter Preisnachlass von zwei Prozent ist wertlos, wenn der Lieferant sechs Monate später nicht mehr liefert und Sie unter Zeitdruck eine Ersatzquelle qualifizieren, Werkzeuge verlagern und Sonderfrachten zahlen müssen. Der Schaden aus einem einzigen Ausfall übersteigt die Ersparnis vieler gelungener Preisrunden.

Was das für Ihre nächste Verhandlung heißt

Versorgungssicherheit ist kein Gegensatz zum Preis, sie ist die übergeordnete Größe. Wer sie ernst nimmt, verhandelt anders, nicht weicher.

Drei Konsequenzen für die Praxis. Erstens: Machen Sie die finanzielle Stabilität zum festen Tagesordnungspunkt, nicht zum Bauchgefühl. Kennzahlen, Kundenkonzentration und Auslastung gehören auf den Tisch, bevor über den Preis gesprochen wird. Zweitens: Bewerten Sie Angebote über die Laufzeit, nicht über den Stückpreis allein. Ein etwas teurerer, aber solider Lieferant kann über die Vertragsdauer der günstigere sein. Drittens: Halten Sie Ihre Ausweichoptionen wach. Wer eine belastbare zweite Quelle hat, verhandelt beim Preis souveräner und ist beim Ausfall handlungsfähig. Der stärkste Hebel in einer angespannten Lieferkette ist nicht der niedrigste Preis, sondern die Fähigkeit, jederzeit auch Nein sagen zu können.

Häufige Fragen

Wie viele Autozulieferer sind 2025 in die Insolvenz gegangen?

In Deutschland haben 2025 rund 59 größere Zulieferer mit einem Umsatz über 10 Millionen Euro Insolvenz angemeldet, nach 56 im Jahr 2024. Zwischen 2020 und 2025 waren es insgesamt 257 Fälle.

Wird sich die Lage 2026 verbessern?

Fachleute erwarten für 2026 keine Trendwende, sondern eine Verschärfung. Als Gründe gelten die schwache Nachfrage, hohe Kosten und der Umbau zur Elektromobilität, die viele Zulieferer mit dünner Kapitaldecke zusätzlich belasten.

Was ist bei Weber Magdeburg passiert?

Der Hauptkunde Porsche zieht seine Aufträge bis zum 30. September 2026 zurück, zum 1. Oktober 2026 ist das Insolvenzverfahren angesetzt. Am Standort Magdeburg sind rund 140 Arbeitsplätze betroffen.

Wie sollten Einkäufer auf die Insolvenzwelle reagieren?

Indem sie Versorgungssicherheit zum festen Bestandteil der Verhandlung machen: finanzielle Stabilität und Kundenabhängigkeit des Lieferanten prüfen, Angebote über die gesamte Laufzeit statt über den Stückpreis bewerten und eine belastbare zweite Quelle aufbauen.

Quellen: automobil-industrie.vogel.de, Automobilzulieferer 2026, das nächste harte Jahr; Oliver Wyman, Automobilzuliefererstudie 2026, Zwischen Schock und Gestaltungsspielraum; t-online, Insolvenz droht bei Autozulieferer Weber, Porsche entzieht Aufträge.

Preisdruck oder Versorgungsrisiko?

Der Verhandler-Check zeigt in wenigen Minuten, wie robust Ihr Team zwischen Preis und Versorgungssicherheit verhandelt.

Zum Verhandler-Check